Tag 5 in Athen

Österreichisch! Aber wie lange?

Eigentlich alle Auslandösterreicherinnen hier in Athen haben Kinder. Die sozusagen zweite Generation in Griechenland. Die Ausprägung, wie wichtig die eigene Herkunft ist, das ist aber unterschiedlicher wie es kaum sein kann.
Viele Kinder – wenngleich auch heute schon fast erwachsen – sind mit der Kultur nur am Rande in Kontakt gekommen. Ein wichtiger Bestandteil ist auch hier wieder die Sprache. Die Kinder etwa von Verena gehen in die Deutsche Schule Athen. Wo nicht nur Name und Unterricht Deutsch ist, sondern auch viele heimische Bräuche ausgelebt werden. In der Deutschen Schule kommt etwa der Osterhase und der Nikolaus. Im Bastelunterricht werden Adventskränze gebastelt… und so weiter.

Auch das Laternenfest zum Heiligen Martin war so eine Sache, erzählt Verena. Sie und einige andere deutschsprachige Eltern haben sich zusammengetan und sind mit den Kindern mit ihren kleinen Laternen durch die Gassen marschiert. Die Griechen haben ein bisschen blöd geschaut, so Verena. Aber wir haben’s durchgezogen.

Aber viele Auslandsösterreicher schicken ihre Kinder in eine ganz normale Schule in Griechenland. Andrea zum Beispiel hat das mit dem Deutschlernen bei ihren Kindern nicht so ganz geschafft. Ihr Sohn spricht ein paar Brocken, versteht es auch. Aber bei der jüngeren Tochter: Keine Chance, sagt Andrea. Obwohl die jüngere Tochter ein absoluter Sissi-Fan ist. Bei jedem Wien-Besuch ist für sie Schönbrunn Pflicht.

Aber zurück zur Sprache. Es gibt offenbar eine Faustregel unter den Auslandsösterreicherinnen, um ihren Kindern die Sprache beizubringen. Die lautet: Sprich nie mit deinem Mann Griechisch. Denn wenn zuhause Griechisch die Alltagssprache wird, dann ist es vorbei mit der Zweisprachlichkeit. Dann verlieren die Kinder – so höre ich – das Interesse am Deutsch.

Nicht alle Auslandsösterreicher haben übrigens Interesse an einer griechischen Staatsbürgerschaft. Geht ja auch so – und ich will ja Österreicher bleiben, höre ich öfters. Die älteren Semester haben meist eine Doppelstaatsbürgerschaft. Denn früher war es so, dass bei einer Heirat automatisch die zweite Staatsbürgerschaft auch angenommen wurde, habe ich von Konsul Helmut Rakowitsch erfahren. Jetzt muss man die griechische extra beantragen – und würde dadurch automatisch die österreichische verlieren. Das will aber kaum einer. Auch wenn das Thema „Rückkehr nach Österreich“ noch alles andere als wohlüberlegt ist.

Irgendwann will ich schon wieder zurück. Für alte und kranke Leute sind wir in Österreich ja viel besser gerüstet, überlegt Verena. Ich auch, stimmt ihr die andere Verena im leidenschaftlichsten Tirolerisch zu. Spätestens nach dem Tod.

Andere wiederum denken überhaupt nicht an die Rückkehr. Nach bis zu 40 Jahren Griechenland, bis zu 40 Jahren Athen, bis zu 40 Jahren südlicher Lebensrhythmus wieder zurück in die Kälte? Nein danke, höre ich gleich von mehreren.
Mein Mann ist sogar schon gestorben. Ich bin Witwe. Aber zurückkehren – Nein. Was soll ich dort? Fragt mich eine der Auslandsösterreicherinnen, deren Namen nicht genannt werden soll.

Michaela hingegen will zurück. Ich kann nicht ewig hier leben, sagt sie und schaut ihren kleinen Sohn an. Der kleine ist ein 100-prozentiger Österreicher, wie sie sagt. Wann ihre Rückkehr stattfindet, ist aber noch unklar. Momentan freue ich mich jedes Mal, wenn ich für ein paar Wochen nach Österreich komme, sagt sie. Das nächste Mal ist es schon Ende September so weit. Aber die endgültige Rückkehr? Keine Ahnung, sagt Michaela. Auch was ihr Mann davon hält, ist noch nicht so richtig ausdiskutiert. Schau ma mal, sagt Michaela.

Das ist ja ein Punkt, den griechische und österreichische Kultur gemeinsam haben. Schau ma mal. Jetzt ist es halt mal so, wie es ist.

Ob und wann die Rückkehrer also ihre Pläne in die Tat umsetzen, steht in den Sternen. Meine übrigens nicht. Für mich geht’s jetzt wieder ab nach Hause und ich sage: Byebye Greece!

Und das beste kommt zum Schluss: Hier ist DAS Foto meines Trips!

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