Tag 4 in Athen

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Wiener Schnitzel in Athen!

Ich habe es gefunden. Das angeblich einzige österreichische Beisl in der 5-Millionen-Einwohner-Stadt Athen. Im Norden Athens im Stadtteil Kifissias freut sich das Mozart-Café über Gäste. Es gehört Yannis, einem waschechten Griechen. Aber Yannis hat 10 Jahre in Wien gewohnt, hat sich im Wiener Bezirk Floridsdorf sogar einmal ein Haus gekauft. Nach seiner Scheidung ist er zwar wieder nach Griechenland gegangen. Aber: Er fühlt sich als Österreicher. Und vor drei Monaten hat er das Mozart-Café eröffnet. Am Tresen hängen Plakate von Veranstaltungen in Österreich, ich sehe etwa das Poster vom Nova Rock, aber auch das einer Ausstellung in der Wiener Albertina. Es gibt Produkte wie Zotter-Schokolade zu kaufen, serviert wird hier nur echter Meinl-Kaffee. Und die Speisekarte führt Spezialitäten wie Gulasch, Wiener Schnitzel, Sachertorte und Apfelstrudel. Die Sachertorte ist übrigens die, die Ende September auch beim großen Würstelessen serviert wird. Yannis hat mir eine spendiert – jetzt hab ich sie also doch noch kosten dürfen. Und sie war spitze.

Neulich hat sogar eine Frau angerufen, erzählt mir Yannis fast ein wenig stolz. Sie hat einen ganzen Apfelstrudel bei ihm bestellt. Die Frau wohnt 50 Kilometer entfernt, das entspricht in Athener Verhältnissen einer Anfahrtszeit von rund drei Stunden. One Way, wohlgemerkt. Und das alles nur für den Apfelstrudel des Mozart-Cafés.

Das Lokal ist aber gleichzeitig eine Kultur-Fundgrube. Denn es gibt hier nicht nur Kulinarisches, sondern auch Kunst. Österreichische Kunst. Und zwar nicht nur Musik. Derzeit zieren Bilder einer etwa 70-jährigen Österreicherin die Wände. Es sind Aktzeichnungen, ich finde sie einfach toll. Demnächst könnten Karikaturen die Wände zieren. Denn während ich an meinem bestellten Wiener Schnitzel kaue – und es schmeckt herrlich! – ist ein Mann zu Besuch. Er stellt Yannis die Arbeiten seines österreichischen Freundes Jörg Pagger (www.joergpagger.at) vor, der gerne im Mozart-Café ausstellen möchte. Yannis zeigt durchaus Interesse. Auch ich darf mir die Arbeitsproben anschauen – und finde die Karikaturen suuperlustig. Yannis sieht mir zu, und auch er muss lachen. Den Humor der Österreicher treffen sie also, stellt er schmunzelnd fest.

Das Mozart-Café strahlt österreichische Kultur aus. Es ist für mich ein Highlight, aber nicht das einzige. Es gibt zahlreiche kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen mit österreichischem Background. Die Griechen stehen auf unsere klassische Musik, sagt Konsul Helmut Rakowitsch von der österreichischen Botschaft in Athen. Deshalb sind die sogenannten Vollmondkonzerte, die es schon Jahre gibt, auch bei den Griechen DER Renner.

Musik machen – das können die Österreicher aber auch selber. Es gibt bei der Vereinigung der Österreicher in Griechenland einen Chor. Wir treffen uns meistens einmal in der Woche, erzählt mir Chorleiterin Christine. Dann werden Heimatlieder geträllert. Christine versucht dabei alle Bundesländer abzudecken, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Bei offiziellen Anlässen treten die im Schnitt 14 Mitglieder dann auf.

Und apropos offiziell. Rund um den Nationalfeiertag, also rund um den 26. Oktober, gibt es ein Treffen in der Residenz der Österreichischen Botschaft. Die Österreicher werden dabei zum Empfang geladen, zwischen 200 und 500 kommen dann auch. Im Gegensatz zu den Botschaften anderer Länder wollen wir mit unseren Österreichern feiern, sagt Konsul Rakowitsch. Denn für sie sind wir da.

Aber österreichische Kultur in Athen gibt’s auch in den Privathaushalten. Die Hausmannskost wird auch zuhause nicht vergessen, trotz der griechischen Köstlichkeiten. Andreas Sohn zum Beispiel liiiebt Semmelknödel. Auch zu den traditionellen Festen wird Rot-Weiß-Rote Kultur gelebt. Weihnachten wird bei den meisten Auslandsösterreichern wie in der Heimat gefeiert, mit Bescherung am 24. Dezember, dem Christkind, Kekse backen und allem drum und dran. Auch wenn die Sache mit dem Adventkranz im Laufe des Advents ein bisschen einreißt, erzählt Verena aus Salzburg.

Übrigens: Österreichische Produkte zu kaufen gibt es bei ALDI, also der Supermarktkette, die wir als Hofer kennen. Die griechischen Mitarbeiter werden zur Einschulung sogar nach Österreich geschickt – angeblich nach Tirol, höre ich in der Botschaft. Und: Ich habe heute bei einem Streifzug durch Athen sogar einen Eurospar entdeckt. Michaela hat mir ja erzählt, wenn sie einmal in einen Supermarkt kommt, der Rot-Weiß-Rote Produkte hat, dann kauft sie oft ein wie eine Wahnsinnige. Zum Beispiel kiloweise Sauerrahm – obwohl sie gar nicht weiß, was sie mit den Mengen überhaupt tun soll. Na, das nenne ich Liebe zur Heimat.

Yannis mit seiner Tochter. Österreichische Bilder auch am Tresen.

Yannis sammelt diese Poster. Wer eines übrig hat – immer nur her damit!

Das hier gibt es alles…

Das Schnitzel war einfach köstlich!

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