Tag 3 in Athen
08/09/2010 Hinterlasse einen Kommentar
Der Podcast zum Blog!
Warum? Na wegen der Liebe!
Mir scheint: In 99,9 Prozent aller Fälle war es die Liebe. Meine Auslandsösterreicher, oder besser gesagt meine AuslandsösterreicherINNEN, denn es sind fast ausschließlich Frauen, sind mit Griechen verheiratet. Sie haben sie teilweise sogar im Urlaub kennen gelernt, wie Verena aus Tirol. Bei den schon etwas älteren Damen waren es die Griechen, die in Österreich studiert haben. Bei den jüngeren hat man sich sogar im Internet kennen gelernt. Eine ganz besonders spannende Geschichte hat Andrea. Sie ist vor fast 30 Jahren als Hippie-Mädchen auf der Insel Amorgos gelandet. Dort hat sie ihren jetzigen Mann getroffen und sich schließlich verliebt. Heute haben sie ein Lokal auf der Insel, den Sommer verbringen sie gemeinsam mit ihren Kindern dort. Im Winter ist Andrea in Athen. Nicht nur, um den Kindern eine bessere Schulbildung zu ermöglichen. Sondern auch, weil die große Stadt eine willkommene Abwechslung zur kleinen Insel Amorgos bietet.
Einzig das Einfügen in das griechische patriarchalische Familiensystem ist manchmal ein Problem. Zumindest bei den jüngeren Auslandsösterreicherinnen. Das könnte daran liegen, dass früher die Unterschiede zwischen Österreich und Griechenland in Punkto Emanzipation noch kleiner waren, vermutet Konsul Rakowitsch. Mit ihm habe ich mich heute getroffen.
Unter anderem haben wir über seinen Alltag in der Botschaft gesprochen. Hauptsächlich ist die Botschaft für Urlauber da. Die brauchen nämlich mehr Hilfe – im Gegensatz zu den in Griechenland schon verwurzelten Auslandsösterreichern. Wenn zum Beispiel im Urlaub der Führerschein verloren geht. Oder wenn es sonstige Probleme gibt, dann versuchen der Konsul und seine Mitarbeiter zu helfen.
Aber es gibt auch Hilfe von der Botschaft für Auslandsösterreicher in ganz speziellen Fällen, rührenden Fällen. So erzählt mir Konsul Rakowitsch etwa von einer jungen Österreicherin. Sie ist auch wegen der Liebe nach Griechenland gekommen. Aber sie hat dabei wenig Glück. Ihr Auserwählter stellt sich als schlechter Romeo heraus – und plötzlich steht sie samt Kind alleine da. Weil sie wegen einer behördlichen Angelegenheit zur Botschaft kommt, beschließen die Verantwortlichen, ihr zu helfen. Sie sorgen dafür, dass sie in einer sozialen Einrichtung unterkommt. Für Auslandsösterreicher in Not gibt es übrigens einen Fonds. Auch in Griechenland gibt es eine Handvoll Bedürftige Österreicher. Wenn sie sich bei der Botschaft melden, versucht man alles, um ihnen auch finanziell wieder unter die Arme zu greifen.
Insgesamt 1.315 Österreichern ist in Athen offiziell gemeldet. Schon eine unglaublich hohe Zahl, aber: In Wirklichkeit lebt aber wohl fast die doppelte Menge in der Stadt, so Konsul Rakowitsch. Und fast alle sind perfekt integriert. Sie werden von der griechischen Gesellschaft als – man könnte fast sagen – „gute“ Ausländer betrachtet. Also Zuwanderer, die kaum auffallen – weder optisch, noch vom Verhalten her. Das wird nicht nur von der Botschaft so wahrgenommen, sondern auch von einem Griechen, mit dem ich darüber gesprochen habe. XENI, also Fremde, sind sie natürlich trotzdem. Und das ist gut so, sagt Verena. Ich will die österreichische Kultur ja doch behalten, und das Österreichische nicht aufgeben.
Und trotzdem sind sie integriert. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Sprache, sagen alle meine Auslandsösterreicherinnen. Sie sprechen fließend Griechisch – und das ist der Schlüsselfaktor. Dass es vielen Auslandösterreichern in Athen rein gar nichts ausmacht, dass sie keinen Kontakt zu anderen Österreichern oder anderen Deutschsprachigen haben, auch das ist ein Zeichen von voller Integration.
Das heißt natürlich nicht, dass den Österreichern nicht einige Unterschiede zur Heimat auffallen, die sie teils auch nach Jahren hier in Athen nicht gut finden. Zum Beispiel das laut meinen Auslandsösterreichern nicht vorhandene Umweltbewusstsein der Griechen. Oder: Das nicht unbedingt große Herz für Tiere. Und doch merke ich ihnen großteils an, dass sie die griechische Gelassenheit angenommen haben: Es ist halt so, wie es ist. Das Lebensgefühl des Südens entschädigt die meisten für die kleinen Schwierigkeiten des Alltags. Und seien es auch nur die fast täglich stattfindenden Streiks in der Stadt. Ich hab es selbst miterlebt. Gestern die LKW-Fahrer, heute die Öffentlichen Verkehrsmittel. Aber das gehört einfach dazu. Und: Wie der Konsul anklingen lässt: Sonne, Strand und Meer – reizen die Österreicher ja auch.
Unfassbar spannendes Treffen mit Konsul Helmut Rakowitsch:

Die österreichische Botschaft in Athen ist gleich um die Ecke vom Parlament, das am Quasi-Hauptplatz Syntagma angesiedelt ist. Hier fühlt man sich zuhause!

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